„Hit ‘sniper one’ on the left first, then ‘the mouth’, then ‘sniper two’ and then run!” – Karate- und Selbstverteidigungs-Lehrgang mit Iain Abernethy

Zum siebten Mal gab der englische Karate-Experte Iain Abernethy (7. Dan, WCA) vom 22. bis 24. Mai 2026 im Budocentrum der Sportvereinigung Polizei (SVP) in Hamburg einen Lehrgang mit den Schwerpunkten Anwendungsinterpretation einer klassischen Karate-Kata (Bunkai) und Selbstverteidigung.

Karate-Lehrgang mit Iain Abernethy (links) vom 22. bis 24. Mai 2026 im Budocentrum Hamburg

Der Lehrgang startete wieder am Freitagabend mit einem kostenlosen Sondertraining unter Schirmherrschaft des Hamburger Karate Verbandes (HKV), in dem Iain Einblicke in seine Anwendungsinterpretation der Kata Heian Godan bzw. Pinan Godan gab. Weil diese Kata bereits viele Techniken der Kata Gangaku / Chinto enthält, verschaffte Iain den Teilnehmenden quasi einen Vorteil für Samstag. Initiiert vom Breitensport-Referenten des HKV, Michael Dück, kommen die Spenden der ca. dreißig Teilnehmer:innen diesmal der gemeinnützigen Hamburger Organisation Dunkelziffer e.V. zugute, die die Opfer von sexueller Gewalt an Kindern unterstützt.

Sondertraining mit Iain Abernethy unter Schirmherrschaft des Hamburger Karate Verbandes (HKV) am Freitag, 22.05.2026, im Budocentrum Hamburg

Am Samstag stand dann die Kata Chinto im Mittelpunkt, die im Shotokan-Stil Gangaku genannt wird. Zu ihrer Entstehung referierte Iain die verbreitete Geschichte, dass die okinawanische Kampfkunst-Legende Matsumura Sokon (lebte im 19. Jahrhundert) auf einen schiffbrüchigen chinesischen Gesandten getroffen sei und sich mit ihm duelliert hätte. Beeindruckt von den Fähigkeiten des Gesandten lud er ihn danach ein, um von ihm zu lernen. Die Kata entstand demnach als Memorierhilfe für Chintos Techniken und gilt als sehr fortgeschrittene Kata; charakteristisch sind insbesondere die Stände auf einem Bein am Ende der Kata. Entgegen der landläufigen Interpretation von Karate als Distanzkampf fasste Iain die Bewegungen der Kata wieder überwiegend als Hebel und Würfe im Nahkampf auf und unterlegte diese Interpretationen mit unterhaltsamen Anekdoten, wie er sich die „Fach-Diskussion“ zwischen Matsumura, Chinto und Matsumuras Ehefrau vorstellte.

Karate-Kata-Training mit Iain Abernethy am Samstag, 23.05.2026, im Budocentrum Hamburg

Sonntag folgte dann wieder „Selbstverteidigung à la Iain“. Neben seinen üblichen Themen „pre-emptive striking“ (deutsch etwa „frühzeitiges Zuschlagen“), „multiple opponents“ (mehrere Angreifende) und „protecting others“ (andere beschützen) ging Iain diesmal auch auf den Umgang mit einem mit einem Messer bewaffneten Gegenüber ein. Für die vier Basis-Szenarien „Messer wird gezogen“, „Messer wird präsentiert“, „schwingender Angriff“ und „zustoßender Angriff“ zeigte Iain unkomplizierte Standard-Aktionen, um den Messerarm unter Kontrolle zu bringen und sich möglichst schnell durch Angriffe auf den Kopf Möglichkeiten zur Flucht zu erarbeiten.

Karate-Selbstverteidigungstraining mit Iain Abernethy am Samstag, 23.05.2026, im Budocentrum Hamburg

Veranstalter Knut Riedel (5. Dan Karate, 1. Dan Ju-Jutsu, Mitglied im Vorstand der Budoabteilung der SVP) zieht wieder ein sehr positives Fazit: „Der Samstag war aufgrund der Hitze schon sehr anstrengend, aber alle haben vorbildlich mitgemacht – dadurch ist Iain in seinem Programm auch noch weiter gekommen als er eigentlich geplant hatte. Es freut mich, dass bei den insgesamt über siebzig Teilnehmenden auch wieder einige neue Gesichter dabei waren.“ Und auch der nächste Termin mit Iain in Hamburg steht schon: 28. bis 30. Mai 2027. Text: Knut Riedel (SVP), Fotos: Andreas Rasche (SVP), Michael Dück (HKV)

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