„Weg oder kaputtmachen“ – Rückblick zum zweiten „Selbstverteidigung kompakt“-Workshop mit Martin Vödisch

Sehr gut besucht war der zweite Workshop des Krav Maga Instructors und Trainers für Gewaltprävention, der mit dem Thema „Deeskalation, Einstieg in den Kampf und Flucht“ am 11. und 12. April 2026 im Budocentrum der Sportvereinigung Polizei Hamburg (SVP) stattfand.

Auch dieses Mal fasste Martin in seiner Einleitung das Mindset zusammen, das er den fast vierzig überwiegend weiblichen und mit Kampfsport / Selbstverteidigung weniger erfahrenen Teilnehmenden vermitteln wollte. Die Bezeichnung „Selbstverteidigung“ sei irreführend, weil sie eine Lage definiert, in der man passiv ausgeliefert ist und Angriffe abwehren muss. Martin ging es vielmehr darum, wie die Teilnehmenden selbst Gewalt aktiv einsetzen können, wenn Vermeidung, Flucht oder deeskalierende Kommunikation nicht (mehr) wirken: „Wir lernen Gewalt. Denn nur mit der körperlichen und emotionalen Kompetenz, Gewalt auszuüben, können wir uns unbewusst auch sicher auf die anderen Strategien einlassen.“

„Kontrollierte Exposition“: Martin demonstriert, wie wirkungsvoll Griffe ins Gesicht sind.

Im Mittelpunkt der zwei intensiven Tage standen wieder kontrollierte Partner-Übungen. Am Samstag ging es um die körperliche Basis: eine solide Struktur (Gewichtsverteilung, Ausrichtung, „Schild“ mit zwei Armen vor dem Körper), das Gefühl für Abstände („Wenn das Gegenüber meine Schultern berühren kann, wird es gefährlich“), Initiative („Aktion schlägt Reaktion: weglaufen oder näher ran“) und immer wieder das gezielte Einwirken durch Wegstoßen, „Ransaugen“, ins Gesicht Greifen und Verdrehen der Halswirbelsäule. Dabei ging es Martin nicht um „Perfektion“, sondern um „kontrollierte Exposition“ bzw. „kontrolliertes Versagen“: „Es gibt keinen falschen Weg zu überleben. Manchmal klappt es besser, manchmal schlechter. Ihr sollt Erfahrungen machen und lernen, was für euch funktioniert und was nicht – mit unterschiedlichen Partner:innen.“

In immer neuen Paarungen bauten die Teilnehmenden während des Seminars ihre physischen und emotionalen Fundamente auf, um gegen körperliche Übergriffe besser gewappnet zu sein.

Am Sonntag kam Psychologie hinzu. Mit kurzen Videos realer Gewalthandlungen erläuterte Martin drei Arten von Gewalt: Bei „Statusgewalt“ geht es um Dominanz innerhalb einer sozialen Gruppe; in einem „Duell“ kämpfen zwei Konkurrenten hoch emotionalisiert und vor Publikum darum, wer „stärker“ ist. Bei „Reputationsgewalt“ geht es um die Demonstration der Dominanz der eigenen Gruppe gegenüber anderen; diese ist oft besonders grausam, weil die „Entmenschlichung“ der Opfer eine zentrale Rolle spielt. Dagegen läuft „Ressourcengewalt“ eher kühl und berechnend ab; hier wollen sich die Täter:innen mit möglichst wenig Aufwand und Risiko die Ressourcen der Opfer verschaffen. Aus den Zielen der Täter:innen ergeben sich mögliche Strategien: Geht es rein um Materielles, kann der Übergriff eventuell durch Kooperation beendet werden. Bei Statusgewalt kann gegebenenfalls durch „Unterwerfungsgesten“ eine Eskalation abgewendet werden. Bei „Reputationsgewalt“ jedoch müssen in der Regel eindeutige Grenzen gesetzt werden. In jedem Fall gilt: Emotionale Selbstkontrolle und „kein Ego“ sind zentral, um in der Situation als potenzielles Opfer zielgerichtet handeln zu können.

Erschöpft, aber um viele wertvolle Erfahrungen reicher: Die Gruppe am Ende des Sonntags.

Die Veranstalter, Knut Riedel und Andreas Rasche (beide SVP), zogen wieder ein sehr positives Fazit. „Wie waren sehr überrascht, wie viele Anmeldungen und Nachfragen wir hatten – anscheinend treffen wir hier gerade einen Nerv“, kommentiert Andreas. Und Knut bestätigt: „Wir wollen dieses Format ‚Selbstverteidigung kompakt‘ mit Martin auf jeden Fall fortsetzen und sind schon in der Termin- und Themenfindung für die zweite Jahreshälfte.“ Text: Knut Riedel (SVP), Fotos/Redaktion : Andreas Rasche (SVP) 

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